Bad Schwalbach. Schlange stehen für die Demokratie, obwohl die nicht als billigesSonderangebot erhältlich ist. Im Roten Saal des Kurhauses stellen sich die Menschen ander Fensterfront bis hinter die Stuhlreihen auf, um das Leitbild des Netzwerks fürDemokratie und Vielfalt Bad Schwalbach zu unterzeichnen. Das Bekenntnis zuMenschenrechten, freiheitlich-demokratischer Grundordnung, friedlichem Miteinanderund zum Grundgesetz besitzt offenbar eine starke Strahlkraft.
Am Ende des Abends stehen 61 Namen von Erstunterzeichnern in den Spalten undZeilen eines Dokuments im DIN-3-Format. Von den örtlichen Glaubensgemeinschaftensind die evangelische und die katholische Kirchengemeinde sowie die türkisch-islamische Gemeinde aus Bad Schwalbach mit dabei. Von den Parteien haben Vertreter von Grünen und SPD unterschrieben. Andere Bürger machten mit einem Zusatzkenntlich, dass sie Stadtverordneten-Versammlung oder Magistrat angehören.
Auch Schulen sind Teil des Netzwerks
Außer der GewerkschaftVerdi sind die NAO-Gesamtschule, die Wiedbach-Grundschuleund die Janusz-Korczak-Förderschule dank der Unterschriften ihrer Leiterinnen Teil desNetzwerks. Eingeladen zur Veranstaltung haben Irina Heck, Bernd Meffert und ThomasWeinert, denen sich Bürgermeister Markus Oberndörfer (SPD) angeschlossen hat. Erunterzeichnet als Erster vor dem Ersten Stadtrat Peter Neugebauer (Grüne) und derStadtverordneten-Vorsteherin Gabriele Langkowski (Grüne).
Die Listen sind nach dem Treffen im Kurhaus keineswegs geschlossen. Sie liegen nun imRathaus im Vorzimmer des Bürgermeisters bereit für weitere Bürger, die ihren Nameneintragen wollen. Gerade was die Institutionen in der Stadt angeht, sind die Initiatorender Meinung, dass „noch mehr geht“. So fehlt bislang die Wirtschaft. Er habeUnternehmen angeschrieben, berichtet Weinert, „geantwortet haben nur Aldi und derRMV“ und sich schließlich nicht beteiligt, mit Neutralitätshinweis.
Zu einem Austausch sei es noch mit der Firma Schwälbchen gekommen samt„wohlwollend-freundlicher“ Absage am Ende, so Weinert. Wie Heck schildert, hat derVorstand des CDU-Vorstands einen Beschluss gefasst, laut dem die Union nicht alsOrganisation beitritt, diesen Schritt aber ihren Mitgliedern als Bürgern freistellt. Wie dem auch sei: „Wir schreiben im Moment Geschichte“, ruft Meffert, ehe mit einem GlasSekt oder Saftoder einer Flasche Bier auf das neue Netzwerk angestoßen wird.
„Für Inklusion anstelle von Ausgrenzung“
„Ich freue mich, dass alle Plätz belegt sind“, sagt eingangs Bürgermeister Oberndörfer. Er stellt das Leitbild vor; es stehe für Inklusion anstelle von Ausgrenzung, für Friedenanstelle von Gewalt, für Schutz anstelle von Verfolgung und für Wahrheit undTransparenz anstelle von Agitation. Er erinnert an das Jubiläum 75 Jahre Grundgesetz und Worte des SPD-Politikers Carlo Schmid, der forderte „Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufzubringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen“.
Auch um die Politik in Bad Schwalbach sorgt sich Oberndörfer: „Derzeit nehme ich in Magistrat und Parlament eine gewisse Trägheit wahr.“ Schulleiterin Kisten Klug von der NAOS wiederum nennt die Gesamtschule einen „wesentlichen Integrationsmotor“ und versichert, dass „Demokratie-Erziehung ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Bildungsarbeit ist“. Das Netzwerk will bei einem Treffen nach den Ferien weiterarbeiten und dann Sprecher wählen.

